#zuckerfreieGesichter: Susanne Grabenbauer

Als ich angefangen habe, mich zuckerfrei zu ernähren, da kannte ich niemanden persönlich, die oder der das schon gemacht hat. Das ist nun schon ein paar Jahre her. Und zum Glück weiß ich inzwischen, dass es noch viel mehr Menschen gibt, die sich zuckerfrei ernähren.

Und deshalb hatte ich eine Idee: ich möchte diese Menschen vorstellen! Und zwar in meiner Interviewreihe #zuckerfreieGesichter. Damit wir voneinander lernen können. Damit wir wissen, dass wir nicht alleine sind.

Diesmal spreche ich mit Susanne Grabenbauer. Ich habe Susanne in der wunderbaren Facebook-Gruppe Zuckerfrei…Leben ohne Zucker 2017 kennengelernt.

Susanne Grabenbauer

Lass uns mal ganz vorne anfangen: was war der Auslöser dafür, dass Du Dich in das Abenteuer „zuckerfrei essen“ gestürzt hast?

Das war 2012 als ich mit meinem Partner zusammen gekommen bin. Er hatte so ein typisches Junggesellenleben und hat sich sehr schlecht ernährt. Dazu kam viel beruflicher Stress mit wenig Schlaf. Daraus resultierten Magengeschwüre und ganz heftige Gastritisattacken mit Sodbrennen und allem was dazu gehört.

Wir hatten dann, als sich unser Beziehungsleben so eingespielt hatte, beschlossen, dass Jause (Brotzeit, kaltes Essen) und der Lieferdienst nimmer das sind, was wir wollen. Ich war Anfang 20 und konnte zwar kochen (schulische Ausbildung) war aber so schlecht aufgezogen worden und hatte immer ein wenig Fix gegessen und viele ungesunde Fertigprodukte und Naschsachen in mich gestopft. Damals hatte ich noch gar nicht an zuckerfrei gedacht, sondern nur daran, was man tun kann, damit es meinem Partner besser geht.

Ich begann also abends für uns beide zu kochen (wurde zum Glück mit der Zeit viiiieeel besser) und Fixpackungen herzugeben oder Brot selber zu backen. Aus heutiger Sicht war das richtig schlecht, aber so wie ich besser kochen konnte, verbesserten sich seine Beschwerden. Natürlich auch, weil man, wenn man satt ist, weniger nascht.

Dass ich da in Richtung zuckerfrei gehe hab ich erst vor einigen Monaten überrissen. Bis dahin hielt ich Ketogen und Clean und wie sie alle heißen für kompletten Blödsinn…

Bis ich dann krank wurde (Hautkrebs, später auch genetische Herzprobleme) und ich auch Angst bekam Diabetes zu bekommen (auch familiär, leider). Dann hab ich über Internetrecherche herausgefunden, dass ich ja schon die ganze Zeit recht clean lebe und habe das nur noch verschärft. Natürlich ist die zuckerfrei-Gruppe eine tolle Motivation.

Oh, das tut mir leid, dass Du so krank geworden bist. Und die Angst vor Diabetes kann ich verstehen, das ist für mich auch ein wichtiger Grund, zuckerfrei zu bleiben!

Wie bist Du dann vorgegangen, beim Zuckerentzug. Hattest Du ein Buch, das Dir geholfen hat? Ein Programm? Eine Ernährungsberaterin?

Ich hatte tatsächlich nur mein Vorwissen aus der Schule (eine BHS). Das war eine berufsbildende höhere Schule mit Matura (Abitur) mit einer vollwertigen Koch/Kellnerlehre und Schwerpunkt für Sprachen und Umweltrecht. Das war eine ganz schön anstrengende Zeit. Ich hatte es gehasst, aber heute bin ich wahnsinnig froh darüber.

Zuckerfrei bedeutet ja für jede etwas anderes. Manche verzichten komplett auf zugesetzten Zucker, andere essen auch mal Datteln, Süßstoffe etc. Wie machst Du das?

Ich halte mich an die WHO, also an maximal 10% Einfach- und Zweifachzucker in der gesamten Nahrung. Ich lebe derzeit mit max. 20g Zucker (alles was unter Einfach- und Zweifachzucker fällt) also deutlich weniger als das, was die WHO ansetzt. Dafür tracke ich meine Nahrung mit MyFitnessPal und Fitbit.

Was hast sich für Dich verändert, seit Du zuckerfrei isst?

Durch meine Herzprobleme war ich angehalten Gewicht zu verlieren. Das hab ich auch, was natürlich mit gesunder und vollwertiger Ernährung in Kombi mit Sport super klappt. Körperlich habe ich seit Mitte Juli gut 30 Kilogramm Fettmasse verloren und dabei meine Muskelmasse, die ich schon hatte, halten können.

Emotional bin ich stabiler, dass heißt, weder PMS Probleme, noch Krämpfe legen mein Leben lahm. Mein Umfeld in der Stadt ist darauf bedacht, dass ich mich gut und gesund fühle, die mochten mich alle auch mit mehr Kilos. Am Land, dort wo ich herkomme, ist das Abnehmen der Hauptgrund, die halten von zuckerfrei sehr wenig. Aber sie informieren sich darüber auch nicht wirklich, was mich aber auch nicht stört. Ich habe mir eine sehr starke eigene Meinung behalten und bin daher auch kein gutes Opfer für „Belehrungen“ oder für „Vorschläge, wie ich leben soll“. Vor allem nicht, wenn ich nicht um Rat frage.

Was machst Du in den Momenten, wenn der große Heißhunger auf Süßes kommt? Hast Du irgendwelche Tricks, Tipps oder Geheimrezepte?

Ich hab natürlich auch diese Momente, wo ich im Stress bin, wo ich mich angestrengt fühle, oder wo ich was Knabbern will.. Ganz gut hilft mir, erstmal was zu trinken, vor allem etwas mit Kohlensäure. Und dann zu überlegen, ob es Hunger sein kann. Wenn ja, dann mache ich mir etwas, wenn es ganz schnell gehen muss, dann taue ich mir in 1 Minute ein eingefrorenes Weckerl auf und esse es mit etwas Käse oder Butter. Hört das nicht auf, greife ich auch mal auf Nüsse zurück oder auch gerne mal ein paar Popcorn oder Chips (die sind natürlich nichts für den täglichen Gebrauch).

Ich habe für mich gemerkt, dass es mir hilft, wenn ich möglichst viel Gemüse esse. Verrätst du uns Dein liebstes Gemüsegericht?

Ganz toll finde ich Gemüse als Beilage =) auch nur schnell geschnitten und geschmort oder als Gemüse-Eintopf mit Zucchini, Kartoffeln, Zwiebeln. Das eignet sich auch toll, um Gemüsereste zu verwenden. Was wir beide gerne mögen ist Gemüselasagne, auch mit Soja-Faschiertem.

Ich finde es inzwischen relativ einfach, zuhause zuckerfrei zu leben. Aber in Restaurants und Cafés ist es immer noch schwierig. Kennst Du vielleicht ein Café oder Restaurant in Deiner Nähe, wo man zuckerfrei essen kann?

Da ich regelmässig draußen esse, mache ich oft einen Kompromiss, der sich auch ausgeht, weil ich zuhause so streng mit dem Zucker bin. Gerichte mit Saucen sind schwierig, aber Steak, Salate mit Essig/Öl oder Pizza und Gegrilltes gehen fast immer.

Und meine letzte Frage: was rätst Du denen, die gerade am Anfang stehen? Was ist Dein Ratschlag für all diejenigen, die zuckerfrei werden möchten:

Allen EinsteigerInnen rate ich, sich mit Ernährung und dem was der Körper braucht, wie auch damit, was Zucker eigentlich ist, auseinander zu setzen. Wenn man einfach Zucker weglässt, aber sein Essverhalten nicht anpasst, kann man das gar nicht durchhalten, wenn man dann stattdessen jeden Tag einen Kübel Obst ausleert oder unreflektiert Zucker durch Zucker ersetzt, hat man ja auch nichts davon. Auch raten kann ich, kochen zu lernen! Das muss man zwangsläufig, wenn man gesünder Leben möchte.

Oja, da gebe ich Dir recht. Wobei es ja nicht darum geht, täglich 3-Gänge-Menüs zu kochen. Sondern diese einfachen Rezepte zu finden, die einem gut schmecken.

Vielen Dank für dieses schöne Gespräch, Susanne!

Und ich hoffe, dass viele in Deine zuckerfreie Facebook-Gruppe gehen. Die Stimmung dort ist echt so angenehm und die gegenseitige Unterstützung toll!

Angelika

 

Kommentar verfassen