#zuckerfreieGesichter: Stephie Sissmann vom „Kohlenpottgourmet“

Als ich angefangen habe, mich zuckerfrei zu ernähren, da kannte ich niemanden persönlich, die oder der das schon gemacht hat. Das ist nun schon ein paar Jahre her. Und zum Glück weiß ich inzwischen, dass es noch viel mehr Menschen gibt, die sich zuckerfrei ernähren.

Und deshalb hatte ich die Idee: ich möchte diese Menschen vorstellen! Sozusagen als „zuckerfreie Gesichter“. Damit wir voneinander lernen können, damit wir wissen, dass wir nicht alleine sind.

Heute möchte ich Stephie Sissmann vorstellen, die den Blog Kohlenpottgourmet schreibt.

Stephie Sissman: zuckerfreie Bloggerin bei Kohlenpottgourmet

Lass uns mal ganz vorne anfangen: was war der Auslöser dafür, dass Du Dich in das Abenteuer „zuckerfrei essen“ gestürzt hast?

Ich hatte auf der Haut einen Hefekleiepilz, der nicht verschwinden wollte und der immer wieder „aufblühte“, in dem die Haut schubweise anfing, zu jucken, was total unangenehm war. Ganz zu schweigen von den weißen Flecken, die sich am Nacken und am Dekolleté bildeten.

Zudem hatte ich ständig Heißhunger und habe nach jedem Essen direkt überlegt, was ich denn als nächstes essen könnte. Das alles zusammen hat mich sehr genervt, frustriert und ich fühlte mich, als würde mein Körper über mein Essen bestimmen und nicht ich.

Wie bist Du dann vorgegangen, beim Zuckerentzug. Hattest Du ein Buch, das Dir geholfen hat? Ein Programm? Eine Ernährungsberaterin?

Ja, ich hatte ein Buch, auf welches eine Freundin mich aufmerksam machte: „Goodbye Zucker“ von Sarah Wilson. Ich habe mir das sofort bestellt und direkt auf den ersten Seiten dachte ich, Sarah schreibt von mir. Ich habe mich in allem wiedererkannt und wusste, ich möchte ab sofort ihr achtwöchiges „Entzugsprogramm“ starten und habe auch direkt Gas gegeben.

Oh, das Buch mag ich auch sehr! Als ich 2013 angefangen habe meine Ernährung umzustellen war Sarah Wilson’s Seite I Quit Sugar eine der ersten, die ich entdeckt habe.

Zuckerfrei bedeutet ja für jede etwas anderes. Manche verzichten komplett auf zugesetzten Zucker, andere essen auch mal Datteln, Süßstoffe etc. Wie machst Du das?

Ich verzichte komplett auf Industriezucker; verwende zum Backen Kokosblütenzucker und Ahornsirup – auch gerne mal Bananen und für Energiekugeln Datteln. Getrocknete Früchte gehen bei mir aber nur in geringen Mengen, weil sonst der Hautpilz aktiv wird, indem meine Haut wieder anfängt, zu jucken.

Was hast sich für Dich verändert, seit Du zuckerfrei isst?

Die erste Zeit ohne Zucker war nicht ohne: ich habe auch auf Obst und süßes Gemüse wie Tomaten, Zwiebeln und Möhren verzichtet. Ich hatte Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und eine Nacht juckte meine Haut wie verrückt – der Hautpilz fand meine neue Ernährung wohl mehr als doof und hat rebelliert (so meine Vermutung). Danach wurde es aber umso besser: meine Haut ist komplett fleckenfrei. Ich bin wesentlich wacher (früher hab ich gerne mal ein Mittagsnickerchen am Wochenende gemacht – brauche ich jetzt gar nicht mehr).

Ich habe keinerlei Heißhungerattacken mehr und finde es total befreiend, nicht mehr ständig ans Essen denken zu müssen.

Das stimme ich voll zu: klar denke ich auch darüber nach, was es zu Mittag gibt, aber es ist nicht mehr das zentrale Thema. Und ich finde es toll, wieviel „headspace“ man auf einmal für andere Themen hat!

Wie reagieren denn andere Menschen in Deiner Umgebung?

Mein Mann hat Gott sei Dank direkt mitgemacht und tapfer alles probiert, was ich gekocht und gebacken habe.

Für viele Leute ist es befremdlich, dass man keinen Zucker isst und sie reagieren teils neugierig (echt ? Was isst Du denn dann?), teils verständnislos (Ohne Zucker man man doch gar nicht leben – was ist denn das jetzt für wieder für ein Spleen ?).

Die meisten akzeptieren es einfach, wenn sie merken, dass ich seit nun bereits 2,5 Jahren diesen „Spleen“ habe, immer noch lebe und auch noch richtig Power dabei habe 😉

Was machst Du in den Momenten, wenn der große Heißhunger auf Süßes kommt? Hast Du irgendwelche Tricks, Tipps oder Geheimrezepte?

Erst mal etwas trinken – oft vertauscht man Durst mit Hunger. Wenn das nicht hilft, esse ich gern ein Stück vollfetten Käse oder knabbere ein paar ungesalzene Nüsse. Das sind so die Erste-Hilfe-Maßnahmen. Wenn es wirklich etwas Süßes sein soll, ist ein in Scheiben geschnittener Apfel mit selbstgemachtem Nussmus super lecker (und so herrlich cremig !)

Ich habe für mich gemerkt, dass es mir hilft, wenn ich möglichst viel Gemüse esse. Verrätst du uns Dein liebstes Gemüsegericht?

Das finde ich ja interessant bei Dir mit dem Gemüse! Also ich esse super gerne Gemüse in Verbindung z.B. mit Linsen, Quinoa, Hirse, etc. weil mich das schön satt und zufrieden macht – wie z.B. das Kürbis-Linsen-Curry.

Das klingt ja total lecker, vor allem mit den Gewürzen! Danke für den Tip. Auf Deinem Blog Kohlenpottgourmet gibt es wirklich viele leckere Rezepte!

Ich finde es inzwischen relativ einfach, zuhause zuckerfrei zu leben. Aber in Restaurants und Cafés ist es immer noch schwierig. Kennst Du vielleicht ein Café oder Restaurant in Deiner Nähe, wo man zuckerfrei essen kann?

Ja ! Praktischerweise habe ich direkt um die Ecke vom Büro ein Café mit Mittagstisch, wo ohne Industriezucker und ohne Weizenmehl gekocht und gebacken wird: das Café Artempause in Haltern am See.

Und meine letzte Frage: was rätst Du denen, die gerade am Anfang stehen? Was ist Dein Ratschlag für all diejenigen, die zuckerfrei werden möchten:

Ganz klar das oben erwähnte Buch von Sarah Wilson ! Und dann einfach anfangen. Jeder ist ein anderer Typ: der eine braucht den kompletten Entzug (so wie ich), der andere macht es peu à peu. Verbündete zu haben, ist eine große Hilfe – weil wie oben schon geschrieben, einem viel Gegenwind entgegenblasen kann und man dann vielleicht schnell aufgibt – vor allem, wenn auch noch zu Beginn „Entzugserscheinungen“ auftreten.

Von Tag zu Tag zuckerfrei leben – nicht sagen: ich mach jetzt mal acht Wochen zuckerfrei. Das hört sich so unendlich lang an. Sich Rezepte und Gerichte heraus suchen, die man gerne isst, damit es Spaß macht und man am Ball bleibt. Und ich empfehle eine Art Tagebuch zu führen: was habe ich gegessen, wie fühlte ich mich etc. Das hilft in der ersten Zeit sehr und später, wenn man sich seine Anfänge noch mal durchliest, ist das eine tolle Motivation.

Dann finde ich noch wichtig, nachsichtig mit sich selbst zu sein. Es wird immer wieder Situationen geben, wo man um Zucker nicht drumherum kommt. Sei es eine Einladung, eine Streßsituation, wo Schokolade als Tröster her musste, etc. Viele sind dann verzweifelt, weil sie „rückfällig“ geworden sind. Einfach weiter machen und wieder einsteigen! Ich kenne keinen, der sich, nachdem er sich entschieden hat, auf Zucker zu verzichten, schlechter als vorher fühlt (sehen wir mal von der ersten Phase ab). Weiter machen und ich verspreche, so Situationen, wo man meint, zur Schoki greifen zu müssen, werden weniger, weil es einfach nicht mehr so schmeckt wie früher. Ich mag das Zitat aus dem Buch „Voll verzuckert“ von Damon Gameau sehr gern:

„So vieles war in meinem Leben besser geworden, seit ich den Zucker wegließ. Die neue »Süße« in meinem Leben entsprang einer ruhigeren Energie, einer wacheren Persönlichkeit, einer gesünderen Ausstrahlung und einer tieferen Verbindung zu anderen. Daher weiß ich, dass raffinierter Zucker nie wieder eine Rolle in meinem täglichen Leben spielen wird.“

Passt perfekt !

Vielen Dank, Stephie, dass Du meine Fragen so offen beantwortet hast!

Und falls Du, liebe Leserin, mehr über Stephie Sissmann und Kohlenpottgourmet erfahren möchtest, hier findest Du ihren Blog.

Angelika

 

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