#zuckerfreieGesichter: Lucy von Love & Hate Sugar

Als ich angefangen habe, mich zuckerfrei zu ernähren, da kannte ich niemanden persönlich, die oder der so lebt. In meinem Freundeskreis und meiner Familie war niemand zuckerfrei.

Das hat sich in den letzten Jahren zum Glück geändert. Inzwischen gibt es soooo viele Menschen, die sich zuckerfrei ernähren!

Ich möchte diese Menschen gerne vorstellen. Und zwar in meiner Interviewreihe #zuckerfreieGesichter. Damit wir die Erfahrungen aus unserem zuckerfreien Leben austauschen. Damit wir wissen, dass wir nicht alleine sind.

Diesmal spreche ich mit Lucy von Love & Hate Sugar. Wir haben uns auf dem Foodblogger-Stammtisch in München kennengelernt:

Lucy von Love & Hate Sugar - Interview über ihr zuckerfreies Leben

Lass uns mal ganz vorne anfangen: was war der Auslöser dafür, dass Du Dich in das Abenteuer „zuckerfrei essen“ gestürzt hast?

Ich hatte schon immer eine gewisse Hassliebe zu Zucker und habe immer mal wieder versucht, weniger Süßigkeiten zu essen, aber nie wirklich konsequent. 2017 erkrankten dann zwei mir sehr nahestehende Personen an schlimmen Krankheiten, die zumindest teilweise ernährungsbedingt sind: Bauchspeicheldrüsenkrebs und Diabetes. In dieser Zeit aß ich selbst eher viel Süßes, weil es bei meiner neuen Arbeitsstelle jeden Tag kostenlos Süßigkeiten gab. Das hatte sich auch in meinem Gewicht bemerkbar gemacht. An meinem Geburtstag beschloss ich dann, auf Zucker zu verzichten, aus Solidarität zu meinen erkrankten Liebsten und mir zuliebe.

Wie bist Du dann vorgegangen, beim Zuckerentzug. Hattest Du ein Buch, das Dir geholfen hat? Ein Programm? Eine Ernährungsberaterin?

Ich habe es selbst durchgezogen, weil ich mich ganz gut mit Ernährung auskenne. Ich habe zuerst alle zuckerhaltigen Lebensmittel komplett von meinem Speiseplan gestrichen und mir gesunde Snackalternativen überlegt. Außerdem habe ich darauf geachtet, zu meinen Mahlzeiten komplexe Kohlenhydrate gepaart mit Proteinen und gesunden Fetten zu essen. Ich hatte nämlich gemerkt, dass ich nach einem Teller Pasta zum Mittagessen immer extremen Heißhunger auf Süßes bekam.

Oja, das geht mir auch so! Deshalb esse ich Pasta nur noch mit vieeeel Gemüse! 

Ist Dir die Ernährungsumstellung denn leicht gefallen?

Die Ernährungsumstellung war am Anfang gar nicht so leicht, denn ich war mittags oft mit Kollegen auswärts essen. Ich habe dann aber angefangen, mir etwas von zu Hause mitzunehmen – und wenn es nur ein belegtes Vollkornbrot und Gurke war.

Am Anfang war der Zuckerentzug schwer. Ich habe gemerkt, dass mein Körper nachmittags immer nach dem Stück Schokolade rief, das er gewohnt war. Aber ich habe dann stur meine Nüsse oder Gemüsesticks gegessen und mich so nach und nach daran gewöhnt, das Süßigkeitenangebot in der Büroküche zu ignorieren. Irgendwann hatte ich auch gar nicht mehr das Bedürfnis nach etwas Süßem und selbst wenn ein Kollege einen Geburtstagskuchen mitbrachte, konnte ich ohne Probleme darauf verzichten.

Zuckerfrei bedeutet ja für jede etwas anderes. Manche verzichten komplett auf zugesetzten Zucker, andere essen auch mal Datteln, Süßstoffe etc. Wie machst Du das?

Was zuckerfrei für mich bedeutet, hat sich seit Beginn meines „Abenteuers“ etwas verändert. Am Anfang habe ich nur frisches Obst zugelassen, alles andere hat mich zu sehr an Zucker erinnert, von dem ich ja wegwollte. Süßstoffe habe ich eh nie besonders gut vertragen, also war das auch keine Alternative.

Nach ein paar Monaten habe ich aber angefangen, Raw Cakes mit einem Dattel-Nuss-Boden zu backen oder auch mal Fruchtriegel auf Dattelbasis zu essen. Dann wurde bei mir allerdings eine Fructoseintoleranz festgestellt, sodass ich jetzt hauptsächlich mit Reissirup süße, wenn nötig. Auch Vollrohrzucker finde ich ganz gut.

Mittlerweile würde ich meine Ernährung auch eher als „zuckerarm“ beschreiben. Ich gönne mir gerne ab und zu mal etwas Süßes, aber dann achte ich darauf, dass es von hoher Qualität ist und ich es wirklich genieße. Statt einer billigen Vollmilchschokolade kaufe ich jetzt lieber eine teurere dunkle Schokolade, von der ich nicht so viel auf einmal essen kann und die wunderbar intensiv schmeckt.

Aber manche Produkte wie Nutella oder Coca Cola, die ich früher gerne gegessen bzw. getrunken habe, habe ich komplett (und hoffentlich für immer) von meiner Einkaufsliste verbannt.

Was hast sich für Dich verändert, seit Du zuckerfrei isst?

Am faszinierendsten war zuerst die Erkenntnis, wie abhängig der Körper doch von einer bestimmten täglichen Zuckerration ist und wie stark Süßes in der Gesellschaft verwurzelt ist. Als ich angefangen habe, auf Zucker zu verzichten, ist mir erst aufgefallen, wie viel Zucker ich und andere jeden Tag zu sich nehmen. Und ich habe gemerkt, wie schwer es sein kann, ein Stück Geburtstagskuchen abzulehnen, wenn alle um einen rum etwas davon essen. Manche Menschen fühlen sich auch davon angegriffen, dass du keinen Zucker isst und versuchen es vor sich selbst zu rechtfertigen („Aber der Körper braucht doch Zucker!“). So viel zur psychologischen/gesellschaftlichen Seite.

Körperlich habe ich zuerst gemerkt, dass ich kein Nachmittagstief mehr hatte, wenn ich ein gesundes Mittagessen zu mir genommen hatte. Nach dem Mittagessen war genau wie vor dem Mittagessen – ich konnte weiter konzentriert arbeiten.

Der zweite Effekt war auch sehr offensichtlich: Alles, was ich mit Antritt der neuen Arbeitsstelle zugenommen hatte, nahm ich innerhalb von ein paar Monaten wieder ab, nur durch den Zuckerverzicht. Ich war wieder zufrieden mit meinem Gewicht, das ich auch halten konnte, nachdem ich Süßes langsam wiedereingeführt habe.

Mein Hautbild wurde außerdem besser und ich war weniger den Schwankungen des weiblichen Zyklus unterworfen. Diese Effekte des Zuckerverzichts haben mich dazu motiviert, am Ball zu bleiben.

Was machst Du in den Momenten, wenn der große Heißhunger auf Süßes kommt? Hast Du irgendwelche Tricks, Tipps oder Geheimrezepte?

Achtsamkeit ist für mich der Schlüssel zum Heißhunger. Deswegen halte ich bei Heißhunger zuerst einmal inne und überlege, warum ich gerade Lust auf Süßes habe. Habe ich vielleicht einfach nur Hunger und brauche eine richtige Mahlzeit? Oder bin ich vielleicht nur durstig? Dann lässt sich das Problem leicht beheben.

Schwieriger ist es schon, wenn der Grund Langeweile oder Stress ist. Dann atme ich einmal tief durch und erinnere mich daran, dass Süßes mir auch nicht dabei helfen wird, mein Problem zu lösen, und überlege mir eine andere Strategie.

Wenn ich den Heißhunger trotzdem nicht abschütteln kann, mache ich mir eine Tasse Tee oder spaziere einmal um den Block. Das bringt mich auf andere Gedanken und entspannt außerdem.

Gerade am Anfang war der Heißhunger aber oft noch pure Gewohnheit, denn mein Körper wollte weiterhin jeden Nachmittag seine Zuckerration. Dann habe ich, wie vorhin schon erwähnt, stattdessen Nüsse oder Gemüse gegessen, um meinem Körper zwar etwas zu geben, aber eben keinen Zucker. Irgendwann war der automatische Appetit auf Süßes dann verstummt. Nüsse sind überhaupt mein Allheilmittel, denn sie machen lange satt, sind gesund und noch dazu lecker.

Oja, Nüsse waren für mich auch am Anfang sehr wichtig. Sie sind ja auch praktisch, weil man sie gut mitnehmen kann.

Ich habe für mich gemerkt, dass es mir außerdem hilft, wenn ich möglichst viel Gemüse esse. Verrätst du uns Dein liebstes Gemüsegericht? 

Am liebsten esse ich vegane Blumenkohl-Bolognese mit Linsennudeln. Das Gericht ist super schnell gemacht: Blumenkohl im Mixer/Zerkleinerer auf Hackfleischgröße zerkleinern, mit Zwiebel und Knoblauch (optional) anbraten, passierte Tomaten dazu und solange köcheln lassen, bis der Blumenkohl durch ist. Linsennudeln kochen, fertig! Dazu passt frische Petersilie oder Chiliöl. Das Rezept gibt es noch nicht auf meinem Blog, aber steht schon auf dem Plan.

Das klingt sehr lecker!

Ich finde es inzwischen relativ einfach, zuhause zuckerfrei zu leben. Aber in Restaurants und Cafés ist es immer noch schwierig. Kennst Du vielleicht ein Café oder Restaurant in Deiner Nähe, wo man zuckerfrei essen kann?

Leider kenne ich keine explizit zuckerfreien Cafés und Restaurants. Ich meide dann einfach alle offensichtlich süßen Speisen, finde es aber nicht schlimm, wenn z.B. in einer Tomatensauce etwas Zucker zugesetzt ist.

Und meine letzte Frage: was rätst Du denen, die gerade am Anfang stehen? Was ist Dein Ratschlag für all diejenigen, die zuckerfrei werden möchten:

  1. Überlege dir genau, warum du zuckerfrei leben möchtest, denn das war für mich die stärkste Motivation, dranzubleiben.
  2. Informiere dich über gesunde Ernährung und darüber, wie Verdauung und Blutzuckerspiegel funktionieren. Das hilft dir dabei, deinen Körper besser zu verstehen.
  3. Sei nicht so streng zu dir, wenn du den Zuckerverzicht nicht auf Anhieb durchhältst. Das schlimmste, was du tun kannst, ist, nach einem „Fehltritt“ das Handtuch zu werfen. Vergib dir die Schokolade und mach am nächsten Tag weiter, als wäre nichts geschehen.
  4. Lege dir Strategien zurecht, wie du dich in schwierigen Situation verhalten möchtest, z.B. an Weihnachten oder am Geburtstag. So stehst du nicht überraschend in einer Zwickmühle und tust etwas, was du später vielleicht bereust.
  5. Scheue dich nicht davor, neue Lebensmittel zu entdecken und neue Rezepte auszuprobieren. Denn der Zuckerverzicht sollte meiner Meinung nach mit einer kompletten Ernährungsumstellung einhergehen, aber auch Spaß machen. Sonst wird dich der Heißhunger immer wieder einholen.

So, das waren jetzt fünf Ratschläge, aber ich hoffe, sie helfen dir dabei, auf Zucker zu verzichten! Ich wünsche dir viel Erfolg und Freude dabei

Vielen Dank, liebe Lucy, für das Interview und für Deine Tipps! Ich finde es auch sehr wichtig, dass Essen Spaß macht!

Hier nochmal der Link zu Love & Hate Sugar! Und falls Du, liebe Leserin noch mehr Interviews lesen möchtest, hier findest Du die anderen: #zuckerfreieGesichter!

Angelika

 

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