#zuckerfreieGesichter: Ilga von „endlich zuckerfrei“

Als ich angefangen habe, mich zuckerfrei zu ernähren, da kannte ich niemanden persönlich, die oder der so lebt. In meinem Freundeskreis und meiner Familie war niemand zuckerfrei.

Das hat sich in den letzten Jahren zum Glück geändert. Inzwischen gibt es soooo viele Menschen, die sich zuckerfrei ernähren!

Ich möchte diese Menschen gerne vorstellen. Und zwar in meiner Interviewreihe #zuckerfreieGesichter. Damit wir die Erfahrungen aus unserem zuckerfreien Leben austauschen. Damit wir wissen, dass wir nicht alleine sind.

Diesmal spreche ich mit Ilga von endlich zuckerfrei:

Ilga Pohlmann von endlich zuckerfrei: ein Interview aus der Reihe #zuckerfreiegesichter; Foto: Grit Siwonia
Ilga Pohlmann (Foto: Grit Siwonia)

Lass uns mal ganz vorne anfangen: was war der Auslöser dafür, dass Du Dich in das Abenteuer „zuckerfrei essen“ gestürzt hast?

Ich habe mich nicht gut gefühlt. Ich war ständig krank und energielos und irgendwie bin ich darauf gekommen, dass das mit der Ernährung zusammen hängt. Das allein war vor vielen Jahren schon eine Erkenntnis, die ganz viel in meinem Leben verändert hat. Als ich dann noch gelernt habe, dass vieles, von dem ich dachte, dass es gesund wäre, überhaupt nicht gesund ist, kam alles ins Rollen.

Ich hab meine Ernährung umgestellt, und gleichzeitig bemerkt, dass das gar nicht so einfach ging. Denn ich hab am Zucker geklebt, wie die Fruchtfliegen über dem Komposteimer. Ich konnte einfach nicht Nein sagen, zumindest nicht für länger. Ich bin immer wieder rückfällig geworden.

Und weil ich das nicht geschafft habe, war ich innerlich gnadenlos zu mir. Du willst gar nicht wissen, wie ich mich innerlich beschimpft habe und unzufrieden mit mir war. Ich hab mich oft als ziemlicher Verlierer gefühlt und nicht verstanden, warum andere das so einfach schaffen. Warum können andere Schokolade einfach so liegen lassen? Und warum war ich so schwach?

Das war keine schöne Zeit.  Sie hat mir weder emotional noch körperlich gut getan, denn der ganze Frust führte wie automatisch zu mehr essen.

Oh, das kann ich so gut verstehen! Bei den anderen sieht es oft so leicht aus. Mir ist es auch schwer gefallen, zuckerfrei zu werden. Zumal man ja gerade im Entzug sowieso schon schlecht drauf ist!

Wie bist Du dann vorgegangen, beim Zuckerentzug. Hattest Du ein Buch, das Dir geholfen hat? Ein Programm? Eine Ernährungsberaterin?

Nein, damals als ich das angegangen bin, gab es keine wirkliche Hilfe. Ich hab das alles auf eigene Faust durchlebt, ausprobiert und heraus gefunden. Deshalb hab ich dann später auch entschieden, mit meinen Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu gehen. Heute ist das ja anders, da gibt es zig Bücher darüber, aber als ich meinen Blog gestartet habe, kamen dann auch schnell Rückmeldungen von anderen, die genauso unter dem Zucker-Problem litten, wie ich damals.

Das ist echt interessant, mir ging es ganz ähnlich. Wobei ich meinen Blog vor allem gestartet habe um es für mich so richtig peinlich zu machen, wenn ich es nicht schaffe. Erst später ist mir so richtig klar geworden, wie vielen anderen es genauso geht wie mir.

Zuckerfrei bedeutet ja für jede etwas anderes. Manche verzichten komplett auf zugesetzten Zucker, andere essen auch mal Datteln, Süßstoffe etc. Wie machst Du das?

Ich lebe heute nicht mehr komplett zuckerfrei. Das war auch nie mein Ziel. Ich wollte frei mit Zucker umgehen können. Mal ein Eis essen, wenn ich wirklich Lust drauf habe, aber auch ohne Verzichtsgefühl einfach Nein sagen können. Das habe ich seit einigen Jahren erreicht und seit dem schaue ich nicht mehr so genau hin, um was für Zucker es sich handelt. Wenn man nur alle 2 Wochen mal etwas Süßes ist, dann ist es fast egal, welcher Zucker es ist. – Mir fällt übrigens gerade auf, dass ich diesen Sommer nicht einmal in einer Eisdiele war … ohne drüber nachzudenken.

Im Alltag bin ich allerdings komplett zuckerfrei. Das bedeutet für mich, dass es normalerweise keinen zugefügten oder isolierten Zucker gibt. Das ist heute auch vollkommen ok für mich. Ich vermisse nichts. Wenn, dann nasche ich Obst, aber auch nicht oft, ich esse dafür große Mengen an Gemüse. 🙂

Obst hat leider den Nachteil bei mir – und auch bei sehr vielen anderen – dass die Fructose triggern kann, und unruhig macht. Dann kann es schon passieren, dass ich mal wieder den Küchenschrank durchsuche und nicht wirklich finde, was mir fehlt. Heute lande ich dann nicht mehr bei der Schokolade, aber ich mag das Gefühl nicht. Diese Unruhe gefällt mir überhaupt nicht.

Daher habe ich meinen Obst-Konsum stark eingeschränkt und auch insgesamt mehr in den Sommer verlagert. Trockenfrüchte nutze ich fast überhaupt nicht, außer mal ein paar Rosinen in meinen Haferflocken. Für mich ist das der einfachste Weg.

Ich merke es auch, wenn ich zu viel Obst esse. Ich achte daher darauf, dass ich auch immer Fett und Eiweiß dazu esse. Dann vertrage ich es einfach besser, z.B. Beeren mit Joghurt und Nüssen. Machst Du denn Ausnahmen?

Ja, ich mache Ausnahmen. Ab und zu esse ich etwas Süßes. Wenn das auf einer Feier ist, dann ist es meistens mit normalem Zucker gesüßt und das ist vollkommen ok für mich. Mein Körper hat danach wieder genug Ruhe, um damit gut umgehen zu können.

Wenn ich zuhause etwas süße, dann nutze ich Stevia, Yacon, Mönchsfrucht, Kokosblütenzucker, Ahornsirup, Erythrit, Xylit oder – am liebsten – Reissirup, weil er keine Fructose enthält. Das sind etwas bessere Alternativen als weißer Zucker, aber es sind halt immer noch isolierter Zucker, die biochemisch genauso im Körper verarbeitet werden – mit Ausnahme von Erythrit und Xylit.

Ich habe wirklich lange gesucht, aber keine 100%ige Alternative gefunden. Meine Lösung lag also nicht darin, wie ich weiterhin gesund süßen kann, sondern wie ich es erreichen kann, dass ich es weniger süß und seltener süß brauche. Für mich ist das die einzige Lösung des Zuckerdebakels.

Das finde ich toll, dass Du Deinen Weg gefunden hast. Für mich persönlich ist es am besten, wenn ich möglichst wenig süß esse. Aber ich finde es so wichtig, dass da jede selber merkt, was einem gut tut!

Was hast sich für Dich verändert, seit Du zuckerfrei isst? 

Frag‘ lieber, was seither gleich geblieben ist. 🙂

Als ich zuckerfrei wurde, habe ich bemerkt, wie sehr mir der Zucker dabei geholfen hat, durchzuhalten. Vor mir lag plötzlich ein Leben, in dem ich ganz viel gemacht habe, dass mir so gar nicht mehr gefallen hat. Ich konnte es plötzlich klar sehen.

Schokolade hat mir zum Beispiel geholfen, wenn ich nachmittags im Büro einen Hänger hatte. Solange ich sie aber gegessen habe, musste ich mich nicht dem eigentlichen Problem stellen. Als sie wegfiel, kam es hoch: Die Arbeit machte für mich keinen Sinn mehr. Ich war an der falschen Stelle, ich hatte eine andere Aufgabe und der Frust darüber, dass ich nicht tat, was ich wirklich wollte, zeigte sich als Schokoladenhunger. – Also habe ich irgendwann gekündigt.

Deshalb halte ich eine Zucker-Abstinenz für so wertvoll. Denn dann endlich können sich die Gründe für die Sucht und das emotionale Essen langsam offenbaren und man kann sie ändern.

Heute bin ich selbstständig und arbeite in einem Job, der mich erfüllt und glücklich macht. Vieles in meinem Leben hat sich „zurechtgeruckelt“ und ich bin mir die meiste Zeit über sehr im Klaren darüber, was ich will und wie ich es will. Ich fühle mich heute sehr oft genau richtig an meinem Platz, und mit der Sache, die ich tue. Ich bin gesund und glücklich. Das ist ein unglaublich gutes Gefühl und das habe ich zuckerfrei zu verdanken. Damit hat alles angefangen.

Ich glaube, das unterschätzen viele. Dass die Zuckerfreiheit sich auch auf andere Bereiche des Lebens überträgt. Ich habe auch das Gefühl, dass ich insgesamt viel freier geworden bin.

Wie reagiert denn Dein Umfeld?

Im Umfeld ist mein zuckerarmes Leben mittlerweile eigentlich akzeptiert. Es inspiriert sogar viele, selber etwas kürzer zu treten.

Was machst Du in den Momenten, wenn der große Heißhunger auf Süßes kommt? Hast Du irgendwelche Tricks, Tipps oder Geheimrezepte? 

Als erstes überprüfe ich immer, aus welchem Grund ich essen will. Will ich ein Eis, weil endlich Sommer ist oder will ich es, weil ich gerade traurig oder frustriert bin?

Und wenn ich das weiß, dann entscheide ich bewusst, ob Essen gerade die richtige Entscheidung ist. Manchmal ist es das, und manchmal kann ich etwas anderes tun, um mir zu helfen.

Ich habe allerdings kaum noch Heißhunger. Die Dinge, über die ich keine Kontrolle hatte, habe ich von meinen Emotionen entkoppelt. Das hört sich jetzt etwas crazy an, deshalb erkläre ich es besser kurz:

Heißhunger auf ganz bestimmte Süßigkeiten oder Gerichte hängen sehr oft mit guten Erlebnissen in der Vergangenheit zusammen. Denk‘ mal ein eine Sache, zu der du schlecht Nein sagen kannst, für die du manchmal auch quer durch die Stadt fahren würdest, um sie zu bekommen. Und dann denk‘ an deine Erinnerungen an dieses Essen. Bei 80% kommen gute Erlebnisse zum Vorschein.

Das Gehirn hat abgespeichert, dass man das gute Gefühl nur über den Geschmack erreichen kann, und meldet bei Stress oder anderen „nervigen“ Gefühlen: „He, iss das! Dann kommt das gute Gefühl von damals zurück!“ Das ist eine Fehlschaltung im Hirn, denn das gute Gefühl hängt nicht mit dem Essen, sondern fast immer mit den Menschen von früher zusammen.

Man kann jetzt über eine bestimmte Technik im Gehirn die Gefühle vom Geschmack trennen, und dann wird das Essen uninteressant. Das ist ganz einfach und dauert kaum 10 Minuten.

Und wenn man das mit ein paar üblichen Verdächtigen macht, verschwindet der Heißhunger für immer.

Du kannst hier mehr darüber erfahren: Schluss mit Heißhunger-Video. Ich bin in dieser Technik ausgebildet und gebe sie im Coaching weiter.

Wenn ich naschen will, gibt es bei mir Nüsse und 95%-100% Bitterschokolade. Mittlerweile mag ich die sehr gerne. Wenn ich emotional essen muss, weil mir alles zu viel wird und ich auch keine Nerven für Achtsamkeitsübungen habe, dann esse ich voller Selbstmitgefühl für meine Situation Haferflocken oder Süßkartoffeln. Alles vollkommen ok, finde ich. Und es hilft ja wirklich.

Ich habe für mich gemerkt, dass es mir hilft, wenn ich möglichst viel Gemüse esse. Verrätst du uns Dein liebstes Gemüsegericht?

Ich bin auch der Meinung dass bei Zuckerhunger auf der körperlichen Seite am besten nährstoffreiches Essen hilft. Gemüse, Sprossen, gute Fette und grüne Blätter. Ich stehe total auf grünes Blattgemüse mit Süßkartoffel!

Ich finde es inzwischen relativ einfach, zuhause zuckerfrei zu leben. Aber in Restaurants und Cafés ist es immer noch schwierig. Kennst Du vielleicht ein Café oder Restaurant in Deiner Nähe, wo man zuckerfrei essen kann?

Ich glaube, im lieb.es Café in Hannover kann man vollwertig und zuckerfrei essen.

Und meine letzte Frage: was rätst Du denen, die gerade am Anfang stehen? Was ist Dein Ratschlag für all diejenigen, die zuckerfrei werden möchten:

Am besten informiert ihr euch erst mal. Lest Etiketten und führt ein kurzes Essen-Tagebuch. Macht euch klar, wie viel Zucker ihr wirklich am Tag konsumiert. Ich wette, ihr werdet euch erschrecken. Und dann lernt darüber, wo sich der Zucker überall versteckt. Werdet zum Zuckerprofi, dann kann man automatisch 50% Zucker einsparen. Ich hab dafür eine Starthilfe entwickelt, die ihr kostenfrei nutzen könnt. Damit bekommt ihr in 15 Tagen alles wichtige in euer Postfach geschickt. Aufklärung ist die halbe Miete.

Und sehe es nicht zu sehr als Verzichtsübung, sondern als Experiment. Es ist so wunderbar, den Körper zu erleben, wenn er erst einmal 4 Wochen zuckerfrei ist. Die allermeisten wissen ja noch gar nicht, wie gut sich das Leben anfühlen kann!

Ja, liebe Ilga, vielen Dank für das schöne Interview! Mit so vielen Tipps und Ideen schaffen es bestimmt noch mehr Menschen zuckerfrei zu werden. 

Angelika

 

 

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