#zuckerfreieGesichter: Marianne Falck – Zuckerfrei von Anfang an

Als ich angefangen habe, mich zuckerfrei zu ernähren, da kannte ich niemanden persönlich, die oder der so lebt. In meinem Freundeskreis und meiner Familie war niemand zuckerfrei.

Inzwischen gibt es viele zuckerfreie Menschen, darüber freue ich mich sehr. Und einige stelle ich in meiner Interviewreihe #zuckerfreieGesichter vor. Damit wir die Erfahrungen aus unserem zuckerfreien Leben austauschen. Damit wir wissen, dass wir nicht alleine sind.

Diesmal spreche ich mit Marianne Falck. Sie ist Journalistin und eine der Autorinnen der BR-Doku „Die Süße Verführung der Zuckerlobby?“. Außerdem hat sie das Buch „Zuckerfrei von Anfang an“ (Heyne)* geschrieben.

Lass uns mal ganz vorne anfangen: was war der Auslöser dafür, dass Du Dich in das Abenteuer „zuckerfrei essen“ gestürzt hast?

In meiner Jugend und auch als Studentin hatte ich immer wiederkehrende und zum Teil auch langwierige Atemwegsinfekte. Mich nervte das ziemlich. Ich war 24 Jahre alt und lebte inzwischen in München. Dort suchte ich mir einen Allgemeinarzt, der neben schulmedizinischer Basis mit Naturheilverfahren und Akupunktur im Sinne einer ganzheitlichen Sichtweise therapierte. Und er schlug mir vor, einmal über meine scheinbar vollwertige Ernährungsweise nachzudenken, indem er mich ein Ernährungsprotokoll anfertigen ließ. Und siehe da: in den scheinbar gesunden Lebensmitteln, die ich täglich zu mir nahm, versteckte sich sehr viel Zucker. In Fruchtjoghurt, Müslis, Müsliriegeln, Säften und vielem mehr.

Das ist ja spannend, dass Dich damals Dein Arzt schon darauf hingewiesen hat!

Interview Marianne Falck - Zuckerfrei von Anfang an

Wie bist Du dann vorgegangen, beim Zuckerentzug. Hattest Du ein Buch, das Dir geholfen hat? Ein Programm? Eine Ernährungsberaterin?

Der Allgemeinarzt empfahl mir, sechs Wochen auf Zucker zu verzichten. Ich habe das von heute auf morgen gemacht. Nicht nur industrieller Zucker war tabu, auch Trockenfrüchte und sehr süßes Obst wie z.B. Bananen, Datteln, Ananas sollte ich weglassen. Das hat super geklappt, aber ich habe auch ein paar Anfängerfehler gemacht.

Jetzt ist das Zucker-Thema in den Medien deutlich präsenter. Damals wusste quasi niemand davon. Ich habe mich dann zunehmend nicht nur privat für das Thema interessiert, sondern auch als Journalistin angefangen zu hinterfragen warum überhaupt so viel Zucker in unserer Ernährung steckt.

Das finde ich übrigens total toll, dass Du als Journalistin über das Thema spricht. Ich bin ja selber weder Ernährungsberaterin oder Journalistin, sondern schreibe als Zuckersüchtige über meine Erfahrungen. Ich finde es aber ganz wichtig, dass auch professionell über das Thema berichtet wird.

Ja. Mir war insbesondere wichtig, die wissenschaftlichen Hintergründe aufzuzeigen, damit die LeserInnen auch verstehen, warum es so wichtig ist, den Zuckerkonsum herunterzufahren.

Außerdem war mein großes Anliegen zu erklären, wer mit den günstigen, überzuckerten Lebensmitteln, die es schon für Babys gibt, das große Geld verdient. So schaffe ich bei dem ein oder anderen vielleicht einen Aha-Moment.

Zuckerfrei bedeutet ja für jede etwas anderes. Manche verzichten komplett auf zugesetzten Zucker, andere essen auch mal Datteln, Süßstoffe etc. Wie machst Du das?

Das stimmt – und das sehe ich teilweise auch als große Aufgabe für noch mehr Aufklärungsarbeit…

Süßstoffe lehne ich ab, ich suche ja nach Ersatz, den auch meine zwei kleinen Kinder zu sich nehmen können. Bei Süßstoffen gibt es diesbezüglich nur wenige Studien bzw. keine Untersuchungen zu Langzeitwirkungen.

Datteln kommen etwa wegen des hohen Fruchtzuckergehalts nicht als süßendes Mittel für mich in Frage.

Wir süßen beim Backen mit Erdmandelmehl*, das ist hierzulande noch wenig bekannt. Dazu verwende ich Ceylon-Zimt und echte Vanille, die den süßlichen Charakter von Speisen ebenfalls unterstreichen.

Und selten – so wenig wie möglich – verwende ich Reissirup. Der zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass er keine Fruktose (Fruchtzucker) enthält, den viele Experten als den besonders schädlichen Teil von Zucker ansehen. Wenn ich Appetit auf Schokolade habe, greife ich meist zu einer Schokolade mit mind. 92% Kakaoanteil. Sind wir bei der Familie oder Freunden eingeladen oder in einem Lieblingscafé spricht für mich aber nichts dagegen auch ein Stück Kuchen zu essen. Da ich mich nicht mit Essen belohne oder in irgendeiner anderen Form auf den Zucker angewiesen bin, ist das für mich eine schöne Freiheit 😉

Was hast sich für Dich verändert, seit Du zuckerfrei isst?

Körperlich sicherlich recht viel. Das war in der ersten Phase allerdings am stärksten, man nimmt schnell mal ein, zwei Kilo ab, kann sein Hungergefühl besser einschätzen, ernährt sich intuitiver und weiß dadurch, was der Körper eigentlich benötigt. Ich benötige weniger Schlaf als früher – finde ich als Mama natürlich ganz praktisch 🙂 Und die Haut dankt es einem auch.

Meine Freunde haben auf die Umstellung toll reagiert. Zum einen, weil es ja eine ärztliche Empfehlung war und sie direkt gesehen haben, wie gut es mir damit ging/geht. Zum anderen schätzen viele ja selbst eine naturbelassene, genussvolle Ernährungsweise und/oder sie kennen meine Recherchen zum Thema seit Langem. Aktuell habe ich dazu ja mein Buch veröffentlicht:

Das Buch hab ich mir grad mal bestellt! Ich bin gespannt auf die Rezepte, denn sonst gibt es nicht so viele Bücher, die ohne Datteln und Süßstoffe auskommen.

Darüber freue ich mich! Stimmt. Ja, einige Rezepte habe ich aufgeschrieben. Schwerpunkt sind vor allem Hintergrundinfos und Tipps für andere Eltern…

Was machst Du in den Momenten, wenn der große Heißhunger auf Süßes kommt? Hast Du irgendwelche Tricks, Tipps oder Geheimrezepte? 

So richtigen Heißhunger kenne ich gar nicht mehr – mir reicht dann tatsächlich ein Stück Schokolade und/oder etwas Nussmus. Oder ein selbstgemachtes zuckerfreies Eis, in einer Portion steckt eine große Portion Cashewmus und die Süße von ca. 1/8 Banane. So kann ich sogar den Schoko-Jieper den ich von früher bei PMS kannte, gut kontern.

Ja, ich merke auch, dass der Heißhunger immer weniger wird. Das kann man sich am Anfang gar nicht so vorstellen. 

Ich habe für mich gemerkt, dass es mir hilft, wenn ich möglichst viel Gemüse esse. Verrätst du uns Dein liebstes Gemüsegericht? 

Ich liebe schnelle Salate, einfach fix angerichtet mit Olivenöl, Zitrone, Salz, ggf. frischen Kräutern. Oliven finde ich perfekt – die Kinder lieben sie! Und natürlich Kürbissuppe oder Süßkartoffel-Pommes.

Das klingt sehr lecker!

Nun meine letzte Frage: was rätst Du denen, die gerade am Anfang stehen? Was ist Dein Ratschlag für all diejenigen, die zuckerfrei werden möchten:

Mache gerne ein Ernährungsprotokoll, also schreibe dir einmal an mind. 3 Tagen hintereinander auf, was du isst – und wieviel Zucker da drin isst. Ein Beispiel für ein Ernährungsprotokoll findest du in meinem Buch „Zuckerfrei von Anfang an“* aber sonst auch bei Ernährungsberatern im Internet.

Überlege, was dein Ziel ist – und dein warum. Warum willst du den Zucker weglassen, was ist deine Motivation? Und dann: einfach loslegen.

Mein Tipp: am besten Verbündete suchen, eine Freundin, eine befreundete Familie. Und entspannt mit dir selbst bleiben, wenn du einmalig rückfällig wirst.

Am Anfang würde ich jedoch wirklich strikt 4-6 Wochen den Zucker weglassen. Danach, wenn dein Körper und du gelernt haben, dass es ohne geht, halte ich es für kein Problem, wenn du bei einer Familienfeier zu einem zuckrigen Nachtisch greifst. Meistens will man das aber gar nicht mehr oder es reicht eine sehr kleine Portion – man gewöhnt sich an einen vollmundigen Geschmack ohne Industriezucker.

Liebe Marianne, vielen Dank für Deine Tipps und das schöne Interview! Ich hoffe, dass so noch mehr motiviert werden, das zuckerfreie Leben auszuprobieren.

Hier daher nochmal der Link zum Buch, vor allem für die Mütter, die selber zuckerfrei werden möchten. Und die mit den Kindern zuckerfrei starten möchten:

Außerdem kannst Du Marianne Falck auf Instagram folgen. Da findest Du auch viele zuckerfreie Informationen und Tipps!