Zuckersucht: gibt es sie überhaupt? Und wie kannst Du Dich testen?

Man sagt ja gerne mal „ich bin schokoladensüchtig“. Und ich sage sogar, dass ich zuckersüchtig bin. Immerhin habe ich mal 5 Tafeln Schokolade pro Tag gegessen.

Aber gibt es sie überhaupt, die Zuckersucht? Ich mache mich auf die Suche nach ein paar Erklärungen.

Offiziell genannte Süchte vs. Zuckersucht

Zunächst mal: es gibt viele „anerkannte“ Süchte. Zuckersucht gehört (bisher) nicht dazu. Ich habe beim Bundesministerium für Gesundheit und bei Keine Macht den Drogen nachgesehen, was es so alles für „stoffgebundene Süchte“ gibt:

  • Alkohol
  • Nikotin
  • Cannabis
  • Medikamente und Doping
  • Drogen wie Kokain, Heroin, Amphetamine etc.

Außerdem gibt es noch „stoffungebundene“ Suchtmittel, das kann man auch „Verhaltenssucht“ nennen:

  • Medienabhängigkeit z.B. Internetsucht oder Computerspielsucht
  • Glücksspielsucht
  • Kaufsucht
  • Essstörungen (Magersucht, Bulimie, Binge Eating)

Es gibt also viele „anerkannte“ Süchte, aber nirgendwo wird Zuckersucht genannt. Nur bei „Keine Macht den Drogen“ wird unter Binge Eating von „atypischen Essstörungen“ geschrieben. Wie die aussehen wird aber nicht näher erklärt.

 

Und ich frage mich, warum wird akzeptiert, dass es Kaufsucht oder Internetsucht gibt, aber bei Zuckersucht wird man seltsam angeschaut?! Warum soll es ausgerechnet Zuckersucht nicht geben?

Am besten ist dann ein Kommentar, den ich schon öfter gehört habe:

„Zuckersucht kann es gar nicht geben, weil Zucker ist doch überall drin“.

Ähm, das ist ein sehr seltsames Argument. Das wäre ungefähr so, als würde man sagen „Alkoholsucht gibt es nicht weil in jeder Eckkneipe kann man ein Bier kaufen“.

Das Problem für Süchtige ist ja gerade, dass es die Sachen überall gibt. Alkohol, Nikotin, Internet. Das ist omnipräsent, so wie Zucker auch.

Zuckersucht - meine Gedanken und inklusive Test

Test: wie erkenne ich (Zucker-)Sucht

Als nächstes klär ich die Frage: was ist überhaupt Sucht? Lass uns mal die genaue Definition von Sucht anschauen.

Die Sucht- Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist, wenn mindestens 3 der folgenden Kriterien in den letzten 12 Monaten gegeben waren:

  1. Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang zu konsumieren.
  2. Verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf den Beginn, die Beendigung oder die Menge des Konsums.
  3. Ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums.
  4. Nachweis einer Toleranz, im Sinne von erhöhten Dosen, die erforderlich sind, um die ursprüngliche durch niedrigere Dosen erreichte Wirkung hervorzurufen.
  5. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Konsums sowie ein erhöhter Zeitaufwand, um zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen.
  6. Anhaltender Konsum trotz des Nachweises eindeutig schädlicher Folgen.

Als ich noch 5 Tafeln Schokolade pro Tag gegessen habe, da waren bei mir 1, 2, 3, 4, und 6 erfüllt. Insofern kann ich sagen, dass ich damals definitiv zuckersüchtig war.

Ich weiß aus zahlreichen eMails von meinen Leser*innen und Instagram-Follower*innen, dass ich damit nicht alleine bin. Vielleicht kennst Du das ja auch:

  • Dieser automatische Griff abends in die Gummibärchentüte bis sie leer ist.
  • Die Kopfschmerzen, wenn man versucht keinen Zucker mehr zu essen.
  • Das Gefühl immer mehr und mehr essen zu müssen.
  • Weiter Schokolade zu essen, obwohl man genau weiß, dass das gesundheitlich nicht gut ist.

Wenn Du das alles machst, dann erfüllst Du sehr wahrscheinlich auch die Sucht-Kriterien! Das ist vielen von uns gar nicht bewusst.

Hinzu kommt ja noch, dass Zucker tatsächlich so omnipräsent ist. Ich habe mal gelesen, dass in 80% der Lebensmittel im Supermarkt zugesetzter Zucker ist (leider weiß ich die Quelle nicht mehr). Das heißt: die meisten Menschen wissen gar nicht, wieviel Zucker sie zu sich nehmen!

Beim Alkohol weiß man wieviel Bier / Wein / Schnaps man trinkt. Bei Nikotin weiß man wieviel Zigaretten man pro Tag raucht. Aber wer weiß schon von sich selbst, wieviel zugesetzten Zucker man täglich zu sich nimmt?

Und ganz klar: nicht alle, die Alkohol trinken, Zigaretten kaufen oder Computerspiele spielen sind süchtig. Nicht alle, die Zucker essen, sind süchtig.

Aber mir geht es darum, dass anerkannt wird, dass es Zuckersucht gibt.

Denn beim Zucker ist es aus meiner Sicht auch nicht anders als beim Alkohol. Manche kommen gut damit zurecht. Und andere eben nicht.

Manche können 1 Glas pro Woche trinken. Trockene Alkoholiker können das nicht.

Manche können 1 Stück Kuchen pro Woche essen. Trockene Zuckersüchtige können das nicht. ICH kann das nicht.

Warum es mir wichtig ist, dass Zuckersucht als Sucht anerkannt wird

Mir geht es um Akzeptanz. Darum, dass ich und Du essen darf, was mir gut tut. Und darum, dass es professionelle Hilfe gibt für die, die süchtig sind.

Bei Alkohol, Nikotin, Drogen, Spielsucht, etc. ist das selbstverständlich. Das wird sogar von den Krankenkassen unterstützt.

Aber wo gibt es die professionell therapeutisch geführte Selbsthilfegruppe für Zuckersüchtige? Warum ergibt die Suche nach „Zuckersucht“ zu null Treffern beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, beim Bundesministerium für Gesundheit ebenso wie bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung?

Das Thema Zuckersucht wird nicht beachtet. Wenn ich zurückdenke an den Herbst 2013, da habe ich mich mit meinem Problem so allein gefühlt. Jetzt ist es 2020.

Klar, es gibt viele tolle BloggerInnen, viele tolle Bücher, Facebook-Gruppen und Austauschmöglichkeiten. Aber das basiert alles auf der Arbeit einzelner Menschen, die sich als Ernährungsberater*innen oder aus persönlicher Erfahrung mit dem Thema auseinandersetzen. Und ihr Wissen weitergeben.

Aber von „offizieller“ Seite? Nix. Nada.

Und ich frage mich: wird sich das wohl noch ändern? Werde ich das noch erleben?

Es bleibt spannend.

Zuckersucht beenden - mit Testund Tipps zum zuckerfrei werden

Übrigens: Ich persönlich habe kein Interesse daran, politisch aktiv zu werden. Das ist nicht meine Stärke. Aber ich weiß, dass ich hier auf meinem Blog anderen helfen kann, zuckerfrei zu werden.

Ich bin jeden Tag froh, dass ich zuckerfrei lebe. Dass es mir so gut geht damit und ich jetzt im Alltag das auch gar nicht mehr bemerke, weil es für mich so normal ist.

Und ich möchte Dich einladen: wenn Du nach den WHO-Kriterien zuckersüchtig bist: dann werde zuckerfrei!

Wenn Du dabei Unterstützung möchtest, dann schau Dich hier mal um:

Es gibt so viele Möglichkeiten, so viele Angebote und so viele Menschen, die es schon geschafft haben. Probier es aus, entdecke Deine Zuckerfreiheit!