#zuckerfreieGesichter : Nicola Herrmann

Als ich angefangen habe, mich zuckerfrei zu ernähren, da kannte ich niemanden persönlich, die oder der das schon gemacht hat. Das ist nun schon ein paar Jahre her. Und zum Glück weiß ich inzwischen, dass es noch viel mehr Menschen gibt, die sich zuckerfrei ernähren.

Und deshalb hatte ich die Idee: ich möchte diese Menschen vorstellen! Sozusagen als „zuckerfreie Gesichter“. Damit wir voneinander lernen können, damit wir wissen, dass wir nicht alleine sind.

Den Anfang mache ich mit Nicola Herrmann, die als Hebamme in Velbert (Nordrhein-Westfalen) arbeitet. Wir haben uns online kennengelernt.Nicola Herrmann - Interviewreihe #zuckerfreieGesichter

Liebe Nicola, lass uns mal ganz vorne anfangen: was war der Auslöser dafür, dass Du Dich in das Abenteuer „zuckerfrei essen“ gestürzt hast?

Ich beschäftige mich schon mein Leben lang mit dem Thema Ernährung. Ich war immer ein dickes Kind und habe meine ersten Diäten im Alter von 3 Jahren machen müssen.

Danach folgte der klassische Werdegang eines jeden Diätenopfers. Als Kind habe ich Gemüse gehasst und alles geliebt was süß war.

Ich habe mir als Erwachsene die gesunde Ernährung anerziehen „müssen“. Für meine Töchter wollte ich ich einen anderen Weg gehen. Ich wollte nicht, dass sie sich an einer Mutter orientieren die sich nur über die Zahl auf der Waage definiert.

Ich wollte ihnen einen gesunden Familientisch bieten, bei dem sie sich keine Gedanken um ihr Gewicht machen müssen. Über die Jahre habe ich mich immer weiter fortgebildet und gebe seit Jahren Kurse zum Thema Kinderernährung und Abnehmen.

Ende letzten Jahres ist mir bewusst geworden, dass ich so gut wie keinen Zucker oder andere Süßungsmittel mehr benutze. Daraufhin habe ich zum ersten Mal bewusst alles weg gelassen, was den Blutzuckerspiegel in die Höhe treibt. Damit ging es mir wahnsinnig gut.

Wie bist Du dann vorgegangen, beim Zuckerentzug. Hattest Du ein Buch, das Dir geholfen hat? Ein Programm? Eine Ernährungsberaterin?

Ich habe mich ein wenig an dem orientiert, was es über Zuckerfrei zu lesen gab, bin dann aber schnell meinen eigenen Weg gegangen. Momentan verzichte ich auf allen zugesetzten Zucker, soweit das möglich ist.

Ausnahmen bilden hier Restaurant, Besuche bei Freunden oder aber auch Zeiten auf denen ich unterwegs bin. Da ist es einfach schwierig, vor allem da ich mich vegan ernähre. Da wähle ich oft das vermeintlich kleinste Übel.

Zuckerfrei bedeutet ja für jede etwas anderes. Manche verzichten komplett auf zugesetzten Zucker, andere essen auch mal Datteln, Süßstoffe etc. Wie machst Du das?

Ich bin vermeide Zucker, wo immer es möglich ist und setze andere Süßungsmittel nur sehr sparsam ein. Am liebsten süße ich mit Früchten, Bananen und Datteln. Xylit und Erythrit benutze ich gar nicht.

Was hast sich für Dich verändert, seit Du zuckerfrei isst? (körperlich, emotional, wie reagieren Freunde etc.)

Die Erfahrung die ich mit Zuckerfrei gemacht habe, ist wohl die krasseste die ich bei einer Ernährungsumstellung gemacht habe. Als ich vegan geworden bin, hat sich bei mir nicht viel verändert.

Jetzt, durch die Umstellung auf Zuckerfrei, habe ich viel mehr Energie. Auch bin ich im Kopf freier geworden und kann mich sehr viel besser konzentrieren. Mein Gewicht halte ich ohne große Probleme. Das war selbst nach der Umstellung auf vegan nicht ganz einfach.

Was machst Du in den Momenten, wenn der große Heißhunger auf Süßes kommt? Hast Du irgendwelche Tricks, Tipps oder Geheimrezepte?

Wenn ich ganz viel Lust auf Süßes habe, mache ich mit ein Vollkornbrot mit dunklem Mandelmus und Banane.

Ich habe für mich gemerkt, dass es mir hilft, wenn ich möglichst viel Gemüse esse. Verrätst du uns Dein liebstes Gemüsegericht?

Ich mag meine Keesesauce ;-). Das ist eine reine Gemüsesauce, die aber nach Käse schmeckt. Am liebsten esse ich sie zu Gemüse :-).

Vielen Dank für das Rezept! Das werde ich mal ausprobieren.

Und meine letzte Frage: was rätst Du denen, die gerade am Anfang stehen? Was ist Dein Ratschlag für all diejenigen, die zuckerfrei werden möchten:

Ich würde jedem raten nicht nur die Süßigkeiten weg zu lassen, denn das ist der schwierigste Weg. Es lohnt sich wirklich auf Fertiggerichte zu verzichten und möglichst viel frisch zu kochen. So kann ich sicher sein, dass kein Zucker zugesetzt ist und nur so kann man auf Dauer richtig viel Zucker sparen und entkommt der Zuckerfalle.

Wichtig ist mir auch so undogmatisch wie möglich zu sein. Es macht einen nicht gleich zu einem schlechten, willenlosen Menschen, wenn man an seinem eigenem „Zuckerverzicht“ scheitert. Wichtig ist es jeden Tag ein bisschen besser machen zu wollen.

Je länger man auf Zucker verzichtet, desto weniger Süße braucht man in seiner Ernährung. Die Süßschwelle sinkt und Dinge die man früher gerne gegessen hat, sind einem plötzlich zu süß. Das ist aber eine Entwicklung die ein bisschen Zeit braucht.

Von daher wäre mein Tipp, sich am Anfang nicht zu überfordern. Man sollte sich Ziele setzen. Wenn man diese jedoch mal nicht eingehalten hat, ist das nicht direkt der Untergang des Abendlandes, sondern nur ein Tag der nicht gut gelaufen ist.

Von daher ist mein Haupttipp: Es geht hier nicht um eine kurzfristige Diät, sondern um eine langfristige Ernährungsumstellung. Das braucht Zeit und Geduld mit sich selbst.

Vielen Dank, Nicola Herrmann, dass Du meine Fragen so offen beantwortet hast!

Und falls Du, liebe Leserin, mehr über Nicola Herrmann erfahren möchtest, hier findest Du ihre zuckerfreie Familienküche. Sie bietet übrigens auch eine 21-Tage Zuckerfrei-Challenge an. Also falls Du zuckerfrei werden möchtest, dann probier das doch mal aus!

Angelika

 

 

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